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Milchstraße fotografieren: So funktioniert es wirklich

Milchstraße fotografiern, doch wie fängt man damit an? Dieser Artikel zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihr erstes Weitfeld-Astrofoto aufnehmen

Milchstraßenbogen

Jeder, der schon einmal einen wirklich dunklen, klaren Nachthimmel im Sommer erlebt hat, weiß, wie beeindruckend die unzähligen Sterne mit bloßem Auge wirken. Es sieht fast so aus, als würden leichte Wolken am Firmament hängen – doch in Wahrheit blicken Sie dort auf dichte Staub- und Sternenregionen unserer Galaxie.

Vielleicht haben Sie in so einem Moment schon einmal versucht, Ihr Smartphone auszupacken, nur um dann enttäuscht festzustellen: Das Ergebnis ist verrauscht, die Sterne sind zu Strichen verzogen oder das Bild ist schlicht schwarz. Ich kenne das genau. Deshalb zeige ich Ihnen, wie ich meine Milchstraßenbilder plane und wie Sie mit dem richtigen Wissen beeindruckende Aufnahmen machen.

5 Dinge, die Sie für den Einstieg brauchen

Um die Milchstraße erfolgreich einzufangen, empfehle ich Ihnen folgendes Equipment:

  • Eine Kamera mit manuellem Modus: Idealerweise eine Spiegelreflex- oder spiegellose Systemkamera. Ein Vollformatsensor ist aufgrund des besseren Rauschverhaltens von Vorteil, aber kein Muss.
  • Ein weitwinkliges, lichtstarkes Objektiv: Je kleiner die Brennweite und je größer die Blendenöffnung (kleine F-Zahl wie f/1.8 oder f/2.8), desto besser.
  • Ein stabiles Stativ: Da wir viele Sekunden belichten, ist ein fester Stand essenziell.
  • Ein Fern- oder Intervallauslöser: Um Erschütterungen beim Drücken des Auslösers zu vermeiden.
  • Eine Nachführung (Star Tracker): Damit die Sterne trotz der Erddrehung punktförmig bleiben.

Die Wahl von Kamera und Objektiv/ Montierung

Da sich die Milchstraße über einen riesigen Bereich am Himmel erstreckt, benötigen Sie einen großen Bildausschnitt. Ich nutze an meiner Vollformatkamera meist eine Brennweite von 14 mm. Wenn Sie eine APS-C-Kamera verwenden, entspräche das etwa 10 mm, um einen ähnlichen Effekt zu erzielen.

Gehen Sie jedoch nicht zu extrem in den Weitwinkelbereich (Fisheye), außer Sie mögen den speziellen Look. Bei extremen Weitwinkeln leiden oft die Sternabbildung am Rand (Verzerrungen) und die Farbtreue. Zudem wird es schwieriger, den Vordergrund natürlich in die Komposition einzubauen. Alternativ kann man auch den Vordergrund mit einer anderen Brennweite fotografieren als die Milchstraße. Natürlich wird dann die Bildbearbeitung schwerer.

Als Tracker/Montierung nutze ich den LX Quattro von Omegon. Dieser benötigt keine Akkus oder Batterien und läuft rein mechanisch. Für die Milchstraße ist er ideal. Und wer später mit längeren Brennweiten mit bis zu 80mm arbeitet, ist damit ebenfalls gut bedient. 

Die Vorbereitung: Planung ist alles

Die Vorbereitung: Planung ist alles

Bevor Sie Ihre Kamera einpacken, klären wir ein paar entscheidende Fragen:

  • Wann ist Neumond? Das ist ein wichtiger Punkt. Das Licht des Mondes überstrahlt die feinen Details der Milchstraße. Suchen Sie sich also ein Zeitfenster rund um den Neumond.
  • Ist mein Standort dunkel genug? Lichtverschmutzung ist der größte Feind. Ich nutze dafür Tools wie die Lightpollutionmap, um Orte zu finden, an denen es im Süden (dort steht das galaktische Zentrum) für mindestens 50 km richtig dunkel ist.
  • Wie sieht mein Vordergrund aus? Ein Bild nur mit Sternen wirkt oft flach. Ich suche mir interessante Silhouetten wie Kapellen, markante Bäume oder Bergpanoramen. Mein Tipp: Vermeiden Sie zu filigrane Objekte wie Strommasten oder belaubte Bäume im direkten Gegenlicht der Sterne, da diese später beim „Stacking“ (dem Stapeln der Bilder) extrem schwer sauber zu bearbeiten sind.

Pro-Tipp: Nutzen Sie Apps wie PhotoPills oder Stellarium, um schon tagsüber genau zu sehen, wann und wo die Milchstraße am Himmel stehen wird.

Die Aufnahme: Schritt für Schritt

Sobald das Stativ steht und der Bildausschnitt gewählt ist, gehe ich wie folgt vor:

1. Der scharfe Vordergrund

Bevor ich meine Nachführung (den Tracker) einschalte, mache ich eine separate, sehr lange Belichtung für den Vordergrund. Hier ist die Milchstraße durch die Erddrehung zwar unscharf, aber die Landschaft wird rauscharm und detailliert abgebildet.

2. Fokus und Einstellungen

  • Fokus: Stellen Sie diesen unbedingt manuell ein! Suchen Sie sich einen hellen Stern, nutzen Sie die Display-Lupe und drehen Sie so lange, bis der Stern ein winziger, scharfer Punkt ist.
  • Format: Fotografieren Sie ausschließlich in RAW. Schalten Sie kamerainterne Korrekturen (Rauschunterdrückung, Vignettierungskorrektur) aus, da diese in der Astrofotografie oft zu seltsamen Artefakten führen.
  • Werte-Beispiel: ISO 1600 (oder 3200), Blende f/2.8, Belichtungszeit ca. 30 Sekunden.

3. Die Nachführung und das Stacking

Jetzt schalte ich den Tracker ein. Dieser gleicht die Erddrehung aus, sodass ich länger belichten kann, ohne dass die Sterne zu Strichen werden. Für ein wirklich rauscharmes Bild mache ich nicht nur ein Foto, sondern eine ganze Serie (z. B. 40 Bilder à 30 Sekunden). Das ergibt eine Gesamtbelichtungszeit von 20 Minuten.

Die Nachbearbeitung: Wo die Magie passiert

Die Nachbearbeitung: Wo die Magie passiert

Sie sind zurück im Warmen, die Nacht steckt noch in den Knochen, aber auf Ihrer Speicherkarte warten bereits duzende RAW-Aufnahmen. Jetzt beginnt der zweite Teil der Arbeit: das Stacking.

Ich empfehle Ihnen hierfür das kostenlose Tool Sequator. Es ist intuitiv und liefert hervorragende Ergebnisse.

- Laden Sie Ihre Sternenbilder als „Star Images“.
- Wählen Sie ein Referenzbild aus der Mitte Ihrer Serie aus.
- Nutzen Sie die Funktion „Irregular Mask“, um den Himmel grob zu markieren, und wählen Sie bei der Komposition „Align Stars“ sowie „Freeze Ground“.

Das Finale in Bildbearbeitungssoftware

Das gestackte Bild der Milchstraße und mein separates Foto vom Vordergrund führe ich schließlich in Photoshop zusammen. Über die Funktion Auswahl -> Motiv wählen -> Himmel lässt sich der Vordergrund meist sehr präzise maskieren. So kann ich die Milchstraße und die Landschaft getrennt voneinander bearbeiten (Kontrast, Farben, Schärfe), bevor ich sie zu einem fertigen Bild vereine. Das geht auch in GIMP oder Affinity Photo

Jetzt sind Sie dran

Die Milchstraßen-Fotografie ist ein fantastischer Einstieg in die Astrofotografie. Mit minimalem Einsatz können Sie Bilder erschaffen, die die meisten Menschen so noch nie mit eigenen Augen gesehen haben.

Haben Sie Geduld mit sich selbst. Auch bei mir hat es selten beim ersten Mal perfekt geklappt. Bleiben Sie am Ball, das nächste Bild wird garantiert besser!

Fragen zu Einstellungen oder Ausrüstung? Auf unseren Social-Media-Kanälen helfen wir gerne weiter.